Der Seelen Erwachen

Erstes Bild

Das Comptoir Gottgetreus. In nicht allzu neuem Stile eingerichtet. Man kann sich denken, daß Gottgetreu Besitzer eines Werkes ist, in dem Holzsägearbeit gemacht wird. Bürochef und Sekretär im Gespräch; Hilarius; später Strader.

Der Sekretär und der Bürochef beklagen den Niedergang von Hilarius Gottgetreus Fabrik, seit dieser „von Leuten sich in Irrtum jagen lässt, die nach besondren Geistesgaben streben.“ Hilarius versucht jedoch den Bürochef von seinen zukunftsweisenden Ideen zu überzeugen. Er will nicht länger dem bloßen Diktat des Marktes folgen; was nützlich und zweckmäßig für den Alltagsgebrauch ist, soll Thomasius zugleich geistgemäß künstlerisch gestalten: „Gewerbe soll mit Kunst zur Einheit werden.“ Strader werde die technische Leitung des Werkes übernehmen und Benedictus, Maria und Capesius sollen weithin das Verständnis für die neue Produktionsweise wecken. Dem Bürochef, der selbst wohl schon manche Schriften studiert hat, „die Geisteswissen offenbaren wollen“, scheint die Zeit dafür noch lange nicht reif und Strader, der mit den Plänen für seine revolutionäre Maschine glücklos gescheitert ist, scheint ihm wenig geeignet, ein solches Vorhaben zu vollenden. Der Bürochef will sich nicht länger an Illusionen verschwenden, in denen Wahn und Wahrheit ineinander verschwimmen, und seine Kraft nicht auf Taten richten, deren Wirkungsart er nicht voll und klar durchschauen kann und verweigert daher, so sehr es ihn schmerzt, seine weitere Mitarbeit. Auch Strader, der hinzutritt, kann ihn nicht überzeugen:
 
Doch wird geschehen, was geschehen muß.
Es wird erneute Prüfung meiner Pläne
Vielleicht die Ansicht wandeln, die ihr euch
Beim ersten Überdenken bilden mußtet.