Der Seelen Erwachen

Zehntes Bild

Maria und Benedictus
Maria und Benedictus

Dasselbe Zimmer wie im neunten Bilde. (Zuerst Johannes allein, meditierend, zu ihm die andre Philia; dann Maria und der Geist von Johannes’ Jugend; zuletzt Lucifer, Benedictus.)

Auch Johannes erlebt in der Meditation die junge Ägypterin und erinnert sich ihrer Worte:

«Dies ist die Zeit, in welcher er sein Sein
Dem uralt heiligen Weisheitsdienste weiht -;
Vielleicht läßt Traumes Offenbarung mich
Im Ahnen geistig jetzt bei ihm verweilen.»

Wie von ferne ertönt die Stimme der andren Philia:

Verzaubertes Weben
Des eigenen Wesens.

Und Johannes ergänzt:

Und wachendes Träumen
Enthüllet den Seelen
Verzaubertes Weben
Des eigenen Wesens.

Die andre Phila kommt näher und gemahnt Johannes nun schon zum dritten Mal, die schattenhafte Zwiegestalt seines eigenen Wesens zu erlösen, denn „als Schatten dich Umwandeln, muss auch ich so lange noch, bis du den Schatten selbst erlösen wirst, dem deine Schuld verzaubert' Leben schafft.“ Und dann enthüllt sie ihm ihr eigenes wahres Wesen, das Johannes bislang noch nicht zu ergründen vermochte: „Die Kraft der Liebe bin ich selbst in dir.“

Im Geiste schaut nun Johannes die Einweihungszeremonie des jungen Mysten und ihm wird bewusst, dass auf ihn das ganze Sehnen der jungen Ägypterin gerichtet war. Mit Hilfe Marias, die als Gedankengestalt erscheint, erkennt er, dass das unerfüllte und sich vor Sehnsucht verzehrende Leben der jungen Ägypterin und der schattenhafte Geist von Johannes Jugend, der nun ebenfalls hervortritt, zueinanderstreben. Und nun vermag er auch in Maria in ihrer wahren Geistgestalt zu erkennen, die an ihn die Worte richtet.

Du findest mich in hellen Lichtgefilden,
Wo Schönheit strahlend Lebenskräfte schafft;
In Weltengründen suche mich, wo Seelen
Das Götterfühlen sich erkämpfen wollen
Durch Liebe, die im All das Selbst erschaut.

Luzifer will dieser Erkenntnis hemmend entgegentreten, doch Benedictus, der nun erscheint, weist ihn in die Schranken:

Marias heilig ernst Gelöbnis wirket
In seiner Seele jetzt die Heil-Erstrahlung.
Er wird dich schätzen, doch dir nicht verfallen.

„Ich werde kämpfen“ schleudert ihm Luzifer entgegen – „Und kämpfend Göttern dienen“, setzt Benedictus hinzu.