Der Seelen Erwachen

Elftes Bild

Benedictus und Strader
Benedictus und Strader

Dasselbe Zimmer wie in den beiden vorigen Bildern.

(Benedictus und Strader treten in das Zimmer.)

Strader quälen noch immer die harten Worte, die Maria im 3. Bild am Abgrund zu ihm gesprochen hatte. Benedictus macht ihm klar, dass dies in Wahrheit seine eigene Imagination war.

Ihr wißt, die Bilder sind nicht wesenhaft;
Der Inhalt ist's, der zu der Seele dringen
Und sich im Bilde offenbaren will.

Strader sei zu einer höheren geistige Entwicklungsstufe aufgestiegen und von hier aus müsse ihm jetzt das früher schon Erreichte als Finsternis erscheinen und was er als Feigheit empfinde, sei für geringere Seelen Tapferkeit. Doch Strader weiß nicht, ob er Kraft genug haben werden, den Widerstand zu überwinden, den Romanus und der Bürochef seinem Werk entgegensetzen, die von ihm fordern, dass er sich von Benedictus und seinem Schülerkreis trennen müsse. „Es wird geschehen, was geschehen muss.“, erwidert ihm Benedictus. Strader schildert daraufhin eine Traumvision, die ihm wie ein Schicksalswink erscheint:

Ich war in einem Schiff; am Steuer ihr;
Besorgen mußte ich das Ruderwerk;
Maria und Johannes fuhren wir
An ihre Wirkensstätte; da erschien
Ganz nah' an uns ein andres Schiff; in ihm
Romanus mit dem Freunde Gottgetreus.
Sie stellten sich uns feindlich gegenüber.
Ich kämpfe gegen sie; - im Kampfe trat
Dann Ahriman an ihrer Seite auf.
Noch schaut' ich mich im harten Kampf mit ihm,
Zur Seite trat mir helfend Theodora.
Dann schwand das Bild aus meinem Geisteskreis.

Benedictus erkennt, dass dieses Bild in Straders Seele noch nicht voll ausgereift ist, dass aber Strader die Kraft stärken kann, die ihm dies Bild vor das Geistesauge stellte und setzt hinzu:

Erfühlen kann ich dies; doch wie es sich
Vollziehen wird, verbirgt sich meinem Schauen.