Der Seelen Erwachen

Zwölftes Bild

Ferdinand Reinecke
Ferdinand Reinecke

Das Innere der Erde. Mächtige Kristallgebilde, durchbrochen von lavaartigen Durchflüssen; das Ganze matt leuchtend, zum Teil durchsichtig, zum Teil durchscheinend. Nach oben rote Flammen, die wie von der Decke nach unten zusammengepreßt werden. (Ahriman; später die Seele des Ferdinand Reinecke; zuletzt Theodoras Seele.)

Ahriman sinnt darüber nach, wie er wieder Macht über Strader gewinnen kann. Zu nahe steht er schon dem „Mystenschwarm“, der „durch das Weisheitslicht des Benedictus das Wachen in der Weltenmitternacht ertrotzen konnte.“ Maria und Johannes sind dadurch bereits dem Lichtbezirk Luzifers entronnen und beide durchschauen auch Ahrimans Wirken. Nur mit Hilfe Straders könnte er noch an die beiden herankommen.

Doch Strader wird das Geistgewirr, das als
Natur den Menschen gilt, vielleicht noch nicht
Als meinen Geistestroß durchschauen können;
Und blindes Kraft- und Stoffgespinst vermuten,
Wo ich mit Geistverleugnung geistig schaffe.

Eile ist geboten, denn Ahriman sieht im Schicksalsbuch bereits den baldigen Tod Straders voraus – und nach dem Tod wäre Straders Seele für Ahriman verloren.

Nach Straders Tode werden sie ihn haben.
Kann ich jedoch die Seele jetzt auf Erden
An sich noch irre machen, so bewirkt
Mir dies, daß Benedictus ferner nicht
Den Mann als Vorspann für sich nutzen kann.

Ahriman holt dazu die Seele Ferdinand Reineckes, die wie eine Kopie Ahrimans erscheint, in sein Reich und inspiriert sie mit Gedanken, die Strader an seinem eigenen Werk irre machen sollen. Reinecke fühlt sich wie erleuchtet:

Mir geht der Sinn schon auf, wie ich dem Strader
Die Fehler seines Denkens demonstrier'.
Es hat sein Mechanismus einen Fehler,
Den kann er selber nicht bewußt sich machen.
Die Mystenfinsternis verhindert's ihm.
Ich werde ihm mit meiner Nüchternheit
Viel bess're Dienste wahrlich leisten können.

Da erscheint Theodoras Seele, die fest an Straders Seite steht. Wenn sie ihn nicht verlässt, solang er noch auf Erden lebt, wäre Ahrimans Kampf verloren: „doch kann ich wohl noch hoffen, daß er zuletzt sie doch vergessen könnte.“