Der Seelen Erwachen

Dreizehntes Bild

Hilarius Gottgetreu
Hilarius Gottgetreu

Größeres Empfangszimmer im Hause des Hilarius. (Beim Aufgehen des Vorhangs Hilarius und Romanus miteinander im Gespräch; später Capesius, Felix Balde, der Sekretär; Philia.)

Hilarius fühlt sich wie erdrückt von dem Schicksalsknoten, der sein Werk zu vernichten droht: „Nur meine Geistesschau erhielt mich stets. Und doch, - sie konnte mich bei Strader täuschen.“ Denn Strader wird von bitteren Zweifeln gequält, seit ihm Reinecke den Fehler in seinem Mechanismus nachweisen konnte. Romanus hingegen ist weiterhin von den Fähigkeiten Straders fest überzeugt: „Bei Strader habt ihr recht geschaut, trotz allem, was jener überkluge Mann erwiesen.“ Romanus ahnt, dass der Hüter der Schwelle an Straders Seite steht.

Ob er ihn schaut, ob er ihm unbewußt
Sich naht, ich kann es wahrlich nicht ergründen;
Doch Strader glaub' ich gut genug zu kennen.
Der wird sich mutvoll zu der Einsicht wenden,
Daß Selbsterkenntnis Schmerzen zeugen muß.

Nachdem beide abgegangen sind, führt der Sekretär Capesius und Felix Balde herein, die Hilarius Gottgetreu zu sprechen wünschen. Capesius berichtet Balde, was er am heutigen Morgen geistig geschaut hatte. Strader habe Felix Baldes Worte aus dem dritten Bild in so verändert, ja gegenteiliger Form wiedergegeben, dass sie nun das harmonische Zusammenstreben von Mystik und äußerer Tat zu fordern scheinen. Felix Balde kann das nur als gefährlicher Irrtum erscheinen. Doch Capesius kann gerade durch Straders Worte die Botschaft Philias erfassen, die nun vor sein geistiges Auge tritt.

Was deines Selbstes Sonnenwesen strahlt,
Wird dir Saturns gereifte Weisheit dämpfen.
Es wird sich deinem Schauen dann enthüllen,
Was du als Erdenmensch begreifen kannst.
Ich werde dich dann selbst zum Hüter führen,
Der an des Geistes Schwelle Wache hält. –

Auch Felix Balde vernimmt das Tönen ihrer Worte, doch werden sie im nicht völlig wesenhaft. Doch Capesius will der Weisung Philias folgen, „daß in Zukunft mir im Geiste auch sich offenbaren mag, was ich begreiflich schon als Erdenmensch in meinem Lebenskreise finden kann.“