Der Seelen Erwachen

Fünftes Bild

Das Geistgebiet zur Sonnenzeit
Das Geistgebiet zur Sonnenzeit

Das Geistgebiet. In sinnvollen Farbenfluten erscheinendes Bild; nach oben rötlich in feurig rot verlaufend, nach unten blau in dunkelblau und violett übergehend. Unten eine symbolisch wirkende Erdensphäre. Die auftretenden Gestalten wie mit dem Farbenbild ein Ganzes bildend. (Rechts die Gnomengruppe des zweiten Bildes, vor ihr Hilarius, ganz vorne die Seelenkräfte. Hinter Hilarius etwas erhöht Ahriman. Links erhöht Lucifer, im Vordergrund Felix Baldes Seele; Strader’s und Capesius’  Seele, Benedictus, Maria, Felicia Balde, der Hüter.)

Die Szene spielt im Geistgebiet zur Sonnenzeit vor dem Herabstieg der handelnden Personen zur Geburt in das gegenwärtige Erdenleben. Felix Baldes Seele erscheint vor Luzifer und erweist sich als dessen Diener. Aus Luzifers Lichtquell empfängt er die Keime seines Selbstsinns. Im Anblick der Gruppe der Gnomen, die die Seele des Hilarius umgeben, erlebt Balde die Gewichtskräfte, die seinem Schweben Widerstand leisten und ihn zur neuen Inkarnation herabziehen. Der von den Gnomen verbreitete Wünsche-Nebel ist, wie Hilarius klar erkennt, der ins Geistgebiet hinaufgeworfener Widerschein des Erdensterns. Für diesen Erdenstern wird hier im Geisterland ein denkendes Sein aus Seelenstoffen gewoben, das aber Felix Balde nur ganz nebelhaft erscheint.

Das weckt Ahriman Interesse und Strader nimmt den Widerhall der gesprochenen Worte in seine Seele auf. Die andre Philia, die wie eine dumpfer leuchtende Kopie Luzifers erscheint, und die drei Seelenkräfte Philia, Astrid und Luna weben der Seele Straders die Gewichtskräfte der Gnomen ein, die ihn zum neuen Erdenleben herabführen sollen. Ihre Wirkung soll Strader im kommenden Erdenleben fühlen, sich ihrer aber niemals voll bewusst werden. Darum wird er ihre geistigen Impulse auch nicht für das Erdenleben fruchtbar machen können. Strader fühlt zugleich, dass er das sonnenhafte Wesen der Seelenkräfte in sich zur Einheit bilden muss. Er spürt auch schon den Wunsch, die Sonnenkönigskraft durch den gedankensprühenden kalten Silberglanz der Mondensphäre zu dämpfen und Merkurs erglimmenden Begierdetrieb aufzunehmen, der ihm das getrennte Weltensein zur Einheit vermählen soll.

Während Ahriman verschwindet, erscheint die Seele des Capesius, der sich die Seelenkräfte nun zuwenden. Wie eine Bild am fernen Seelenufer, das noch nie sein Sein berührte, seit er dem letzten Erdenleben sich entrang, taucht Straders Seele vor ihm auf. Capesius erkennt, dass er dieser Seele wohl karmisch verschuldet ist, sie ihn aber für das nächste Erdensein noch nicht zum Ausgleich aufruft. Doch wird der Blick auf das Bild seines Wesen in sein Denken die Wurzel pflanzen, die im den Sinn des Erdenlebens enthüllen sollen.

Luzifer lenkt nun den Geistesblick der hier versammelten Seelen in Bereiche, die zu schauen sie noch nicht erkraftet sind und deren Licht sie daher schmerzt und ihr Leben mit Zweifeln befruchten muss – Zweifel, die bei allen Personen im kommenden Erdenleben deutlich hervortreten werden.

Zuletzt erscheinen die Seelen von Maria und Benedictus im Geistgebiet, letzterer in einer Gestalt, die wie im Kleinen die Konfiguration der ganzen Szene nachbildet. In tiefer persönlicher Betroffenheit empfindet Benedictus, wie die versammelten Seelen mit ihren dichten erdbeladenen Sphären so schwer auf seinen Weltenkreis drücken, dass sie sein Sonnenwesen nicht in sich erstrahlen finden. Maria mahnt die versammelten Seelen, dass ihnen Benedictus zwar im letzten Erdenleben fremd war, aber seines Sonnen-Wortes Kraft noch aus früheren Inkarnationen in ihren Seelenhüllen fruchtet. Felix Balde vernimmt darauf zwar tönende Worte aus ihm fremden Kreisen, die sich aber nicht zum leuchtenden Sein verdichten und ihm darum nicht ganz wesenhaft werden. Strader hingegen sieht ein leuchtendes Wesen am Geistesstrand, das ihm aber stumm und unverständlich bleibt.

Ganz nahe bei Maria erscheint nun die Seele Felica Baldes in Gestalt einer Büßerin. Sie durchschaut, warum die beiden Seelen das Wesen des Benedictus nicht voll erfassen können. Sie spricht von der unbekannten Sternenschrift - ein Wort, das in Capesius Seele zwar vage Erinnerungen weckt, die aber gleich wieder in den düsteren Schatten des Vergessens versinken.

Durch Luzifers Wirken wurden die Seelen, die einander suchen, hier zusammengeführt, ohne noch ein gedankenhaftes Verständnis füreinander gewinnen zu können, für das sie noch nicht reif sind. Luzifers Bestreben muss daher am Ende der Sonnenzeit der strenge Hüter der Schwelle entgegentreten:

Ihr Seelen, die auf Lucifers Gebot
Dem Kreis der andern Seelen euch genaht,
Ihr seid in meiner Macht an diesem Orte.
Die Seelen, die ihr sucht, - sie suchen euch. -
Sie sollen euch in dieser Weltenzeit
In ihren Sphären nicht gedankenhaft
Mit ihrem Sein berühren; - hütet euch,
In ihre Kreise euch hineinzudrängen.
Doch wagtet ihr's, es schadet' euch und ihnen. -
Ich müßt' des Sternenlichtes euch entkräften
Und euch von ihnen weltenzeitenlang
In andre Sphärenreiche hin verbannen.