Die Pforte der Einweihung

Elftes Bild

Szenenfotos aus der Probenarbeit - Der Sonnentempel
Der Sonnentempel

Der Sonnentempel; oberirdisch, verborgene Mysterienstätte der Hierophanten.

So wie in Goethes Märchen am Ende der unterirdische Tempel an die Erdoberfläche steigt, ist nun der Sonnentempel, die verborgene Mysterienstätte der Hierophanten, oberirdisch zu denken. Hier versammeln sich alle handelnden Personen zum großen Finale. Zuerst tritt Retardus hervor und fordert Capesius und Strader vor den Richterstuhl. Capesius hätte durch seine Geistesart in Johannes und Maria die Neigung für das Geistesschauen verdrängen sollen, doch statt dessen übergab er sich selbst den geisterweckenden Wirkungen, die von den beiden ausgehen. Strader hätte durch sein strenges, nüchternes Denken die Zauberkraft der Geistesschau zerstören sollen, doch er war gescheitert, weil ihm selbst des Fühlens Sicherheit fehlt. Und so muss Retardus die Seelen von Maria und Johannes den Mysterienbrüdern überlassen.

Darauf erscheint Benedictus in Begleitung von Luzifer und Ahriman. Beide Widersachermächte müssen nun bekennen, dass sie ihre Macht über Johannes und Maria verloren haben und fortan als ihnen dienende Kräfte wirken werden. Luzifer spricht:

Und kann ich ihre Seelen nicht versuchen,
Wird meine Kraft im Geiste ihnen erst
Die schönsten Früchte reifen lassen.

Auch Ahriman muss nun auf den Geist der beiden verzichten, doch wird er sie auch weiterhin mit dem Schein beglücken, durch den sich aber nun nicht mehr Irrtum und Lüge, sondern allein die Wahrheit offenbaren soll.

Theodosius, der Geist der Liebe, wendet sich nun an die andere Maria. Er konnte deren höherer Schwester Maria wohl der Liebe Licht, doch nicht der Liebe Wärme geben, solange die andere Maria ihre edlen Kräfte nur aus dem dunklen Fühlen erstehen lassen wollte. Die andere Maria erkennt, dass sie ihre Kräfte hinopfern muss, damit sich in Maria Liebeslicht und Liebeswärme zu ihrer vollbewussten Wirkung verbinden können und sie ist bereit, diese Opfertat zu vollbringen, so wie sich in Goethes Märchen die grüne Schlange hinopfert, damit das neue Zeitalter der bewussten Geistesschau anbrechen kann. Johannes erkennt, dass er dieses Opfer in seiner Seele nachvollziehen muss, auch in ihr soll Liebeswärme sich dem Liebeslichte opfern, damit Geist-Erkenntnis aus dem Seelensein erblüht.

So wie die andere Maria, durch die edlen, aber dumpfen Kräfte ihres Fühlens, das Geisteslicht an seiner vollbewussten Entfaltung gehindert hat, so hat in ähnlicher Weise Felix Balde, indem nur aus dunklen Tiefen schöpfen wollte, die Willenskräfte gebunden, wie ihm nun Romanus zu verstehen gibt. Doch nun hat auch Felix den Weg zum oberirdischen Tempel der bewussten Geistesschau gefunden und auch diesen Weg will Johannes in seiner Seele nachvollziehen. Retardus muss nun einsehen, dass er von Maria und Johannes endgültig ablassen muss. Sie haben ihr neues Licht gefunden. Doch Capesius scheint dem Retardus nun verloren, da er sich seiner Macht entzogen hat, bevor ihm noch das Licht des Tempels leuchten kann. Benedictus aber sieht, dass Capesius bereits den Weg begonnen hat, der auch ihn zum Licht führen wird.

Verloren scheint allein Strader, der die Zweifel seines Herzens nicht bannen kann, die das neue Geisteslicht an seiner Entfaltung hindern. Doch auch ihm wird neue Hoffnung prophezeiht durch Theodora, die am Ende noch erscheint. Auch du, so sagt sie, wirst einst die Worte sprechen:

«Ich habe mir errungen
Die Kraft, zum Licht zu kommen.»