Die Prüfung der Seele

Dreizehntes Bild

Der Sonnentempel; die verborgene Mysterienstätte der Hierophanten. (AHRIMAN, LUCIFER; die drei SEELENGESTALTEN, STRADER; BENEDICTUS, THEODOSIUS, ROMANUS; MARIA.)

Zuerst erscheinen Luzifer und Ahriman. Luzifer fühlt sich als Sieger, da er Johannes Seelenblick gerade noch im rechten Augenblick zu blenden vermochte. Doch fehlt zum vollkommenen Sieg der beiden Widersacher die Seele Straders, die Ahriman nicht zu gewinnen vermochte.

Als Strader mit den drei Seelenschwestern naht, die ihm ihre Kräfte zuströmen, muss sich Ahriman zurückziehen. Nur Luzifer kann bleiben, da ihm Johannes die Pforte in diese Welt geöffnet hat, die er sonst nicht betreten kann.

Dann tritt Benedictus mit seinen Gefährten Theodosius und Romanus ein. Im Tempel soll Strader die Kräfte finden, die ihn durch Gedankenlabyrinthe zu den wahren Lebensquellen führen. Capesius wird erst künftig den Tempel betreten können. Zwar konnte er in sein früheres Erdenleben zurückschauen, doch fehlt ihm noch die Kraft, die Pflichten zu erfüllen, die er durch Selbsterkenntnis fühlen kann. Lernen muss er erst die Schmerzen zu ertragen, die wahre Selbsterkenntnis mit sich bringt.

Auch Johannes soll den Tempel bald wieder betreten können, doch müssen seine guten Kräfte zuvor am Gegensatz der Widersacher reifen. Bis dahin muss sein Geistesschatz behütet werden, da er in Finsternis zu tauchen droht. Und dann, während Maria hereintritt, wendet sich Benedictus an Luzifer:

Es kann in dieser Zeit des Tempels Macht
Johannes’ Seele dir noch nicht entreißen,
doch wird sie künftig wieder unser sein,
wenn unsrer Schwester Früchte reifen werden,
die wir als Blüten schon erkennen können.

Zum Heil der Entwicklung musste Benedictus Marias und Johannes Seelen zeitweilig voneinander trennen und das gab Luzifer die Kraft, an Johannes heranzutreten, denn überall wo Seelensondersein entsteht, ist seinem Wirken Raum gegeben. Doch ist das Seelenband zwischen Johannes und Maria, geschmiedet schon in früheren Erdenläufen, viel zu stark, um Luzifer dauerhaften Sieg zu gewähren. Zudem ist der freie Opferwille Marias erwacht. Sie weiß, was sie Johannes und Capesius schuldet, indem sie Vater und Sohn im früheren Erdenleben entzweite. Doch

Es gibt im Menschenwesen Liebequellen,
zu denen deine Macht nicht dringen kann.
Sie öffnen sich, wenn alte Lebensfehler,
die unbewußt der Mensch auf sich geladen,
in spätern Erdenleben mit dem Geist
geschaut und durch den freien Opferwillen
in Lebenstaten umgewandelt werden,
die wahrem Menschenheile Früchte bringen.

Und Benedictus setzt hinzu:

Es möge dieses Licht in deinem Selbst
die Kräfte heilerschaffend weiter wirken,
die deine Lebensfäden einst den andern
zum Lebensknoten fest verbunden haben.